Muskelkater – Definitionen

Bauplan der Skelettmuskulatur

  •     Als Muskelkater werden Muskelschmerzen bezeichnet, die nach einer ungewohnten körperlichen Betätigung mit zeitlicher Verzögerung auftreten. Während man lange Zeit annahm, dass der Schmerz aufgrund der übermäßigen Bildung von Milchsäure entsteht, gehen heute Sportmediziner davon aus, dass sich der Muskelkater durch eine Mikrotraumatisierung der Muskelzellen bemerkbar macht.
  •     „Muskelkater – vorübergehende schmerzhafte Muskelermüdung (evtl. mit Krampfneigung) nach Überbeanspruchung als Folge von Mikrofaserrissen und Anreicherung von Stoffwechselprodukten“ (Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl., Urban & Fischer 2003).
  •     „No Sports“: Diese Definition von Muskelkater ist eine verkürzte Version und bedarf weiterer Erklärungen. Als Sir Winston Churchill seinen heute legendären Satz „No Sports“ sprach, erinnerte er sich an seine Jugend, als Sport ein fester Unterrichtsbestandteil für Schüler und Studenten war. „No Sports“ war sein Synonym für Muskelkater, an den er sich nur ungern erinnerte und der ihm in seiner Jugend heftige Schmerzen bereitete.

Churchill ist allerdings nur einer von vielen Menschen, die – wenn überhaupt – selten oder gar keinen Sport betreiben und deshalb nach auch nur geringer körperlicher Betätigung spätestens am darauffolgenden Tag unter Muskelkater leiden.

 

Schmerzentstehung

Vor allem die Mikroverletzungen sind nach dem derzeitigen Stand der Erkenntnis für schmerzhafte Beschwerden verantwortlich. Weil die Nerven durch bestimmte Stoffe erst mit einer zeitlichen Verzögerung gereizt werden, verspüren Sie als Betroffener nicht sofort Schmerzen.

 

Bis vor einigen Jahren ging die Medizin davon aus, dass Muskelkater durch Rest-Laktat (Milchsäure) im Muskel entsteht, zwischenzeitlich weiß man, dass feinste Verletzungen von Muskelfasern (sogenannte Mikrotraumen), wodurch Wasser in die Muskelfasern gelangen kann, der Grund für schmerzhafte muskuläre Verspannungen sind. Die  Muskelfaser weitet sich aus und verursacht muskuläre Beschwerden.

 

Muskelkater ist medizinisch messbar

Nicht nur der Bewegungsschmerz ist ein Zeichen von Muskelkater, auch nachlassende Kraft ist ein wichtiges Merkmal. Die Medizin jedoch kann Muskelbeschwerden im Blut eindeutig nachweisen. Den objektiven Beweis im Blut ist das Enzym „Creatinkinase“, dessen Wert steigt deutlich ansteigt. Warum? Je höher der Anstieg von „Creatinkinase“ – bis zu zehn Prozent über dem persönlichen Ruhewert -, desto größer die Zerstörung der Muskelfasern. Bei einer Erhöhung um etwa fünf Prozent spricht der Mediziner noch nicht von einem Muskelkater, sondern von einer normalen trainingsabhängigen größeren Aktivitätserhöhung des Enzyms „Creatinkinase“.

 

Muskeln reagieren auf Bewegungsmuster

Selbst professionelle Sportler, die ihr regelmäßiges Training über einen längeren Zeitraum unterbrechen müssen, leiden bei Wiederaufnahme des Trainings unter Muskelkater. Die Muskeln stellen sich im Laufe der Zeit auf ein bestimmtes Bewegungsmuster ein, verändert sich jedoch dieses Muster beispielsweise durch ein verändertes Training, reagiert der Muskelapparat entsprechend, was zu heftigen schmerzhaften Reaktionen führen kann.

 

Verlauf eines Muskelkaters

Sind die Muskelfasern im Bereich der Z-Scheiben eingerissen, kann Wasser in diese Fasern eintreten. Nach ein paar Tagen schwillt die Muskelfaser durch Wasseransammlungen (sog. Ödeme) an und wird gedehnt, was wiederum zu Dehnungsschmerz führt.

 

Auftreten

 

  •     Untrainierte Menschen klagen häufig über schmerzhafte Muskelverspannungen nach ungewöhnlich viel Bewegung. Nach einer ungewohnt anstrengenden sportlichen Belastung macht er sich erst einige Stunden später bemerkbar.
  •     Beschwerden beim bergab gehen: Häufig tritt Muskelkater nach steilen bergab gehen auf, weil die Beinmuskulatur eine exzentrische Arbeit (Bremsarbeit) verrichten müssen. Gehen Sie dagegen bergauf, setzen Sie die gleichen Muskeln aktiv verkürzend ein. Der exzentrische Einsatz der Muskulatur verursacht deutlich mehr Probleme als die konzentrische Belastung beim Aufstieg.
  •     Gefahr für routinierte Läufer: Auch geübte Läufer fürchten Verletzungen beim Schnellen bergab laufen. Wer seinen Laufstil bergab anpasst, kann das Risiko von Muskelkater verringern. Beim Fersenlaufstil verändern sich die Hebelverhältnisse und die exzentrische Belastung der Muskulatur wird reduziert. Wenn Sie als Läufer dann nicht mehr als nötig bremsen, können Sie ein hohes Tempo erreichen und die Anfälligkeit von Verletzungen wesentlich verringern.

 

Symptome eines Muskelkaters

Muskelkater tritt nach einer besonders starken oder ungewohnten muskulären Anstrengung mit einer Verzögerung auf. Ungewohnt bedeutet hier die Wiederaufnahme von sportlichen Aktivitäten nach einer längeren Pause oder das Einsteigen in eine neue Sportart. Aufgrund der Schmerzen kann die Beweglichkeit einer oder auch mehrerer Muskelpartien heftig eingeschränkt sein.

 

Entstehung von Muskelkater

Muskuläre Einschränkungen durch ungewohnte körperliche Anstrengungen und Aktivitäten verursacht werden. Auch neue, ungewohnte und nicht trainierte Bewegungen kommen bei schmerzhaften Beschwerden  als Auslösefaktor infrage.

 

Auswirkung und Dauer

Der Muskelkater kann in manchen Fällen die Kraft des Muskels um bis zu einem Drittel reduzieren und die Bewegungsradien der beteiligten Gelenke stark einschränken. Mehrere Tage bis hin zu  einer Woche lang kann der teilweise recht heftige Schmerz  andauern.

 

Wann tritt der Muskelkater besonders häufig auf?

  •     Hohe Anfälligkeit: Wenn Sie bergab steigen, Langlaufen oder sich anderen hohen Ausdauerbelastungen aussetzen, sind Ihre Muskeln für den “Kater” besonders anfällig. Bei kurzzeitigen hohen Kraftaufwendungen (z. B., Gewichtheben) ist ein Muskelkater dagegen äußerst selten.
  •     Auslösefaktor Sport: Oft klagen auch Sportler nach besonders starken Belastungen in Wettkämpfen über Muskelkater. Er ist meistens ein Zeichen eines falschen Trainings und kann vermieden werden, wenn man die individuelle Belastungsgrenze nicht überschreitet.
  •     Die Narkose: Weil die Muskelfasern bei der Einleitung einer Narkose anfangen zu zittern, kann es auch nach dem Erwachen zu Symptomen von Muskelkater kommen. Wenn sie nach der Narkose muskuläre Einschränkungen verspüren, kann diese Beschwerde mit der Narkose zusammenhängen.
  •     Alkohol: Gifte und Medikamente schaden nicht nur den Organen, sondern auch Ihrer Muskulatur. Mit dem Genuss von Alkohol entziehen Sie Ihrem Körper Magnesium. Übermäßiger Alkoholgenuss kann aus diesem Grund Arme und Beine anschwellen lassen und Muskelkater, Krämpfe und Muskelschmerzen verursachen.

 

 

Andere Muskelprobleme

Muskelkrampf

Verspüren Sie während oder nach einer extremen Beanspruchung plötzlich heftige Schmerzen, kann ein Muskelkrampf die Ursache sein. Die Oberschenkel- und die Wadenmuskulatur sind davon am häufigsten betroffen. Als direkte Auslöser vermuten die Mediziner unter anderen einen hohen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten oder Muskulaturveränderungen durch ältere Verletzungen. Wenn Sie passende Sportkleidung tragen, viel trinken und sich vor der Belastung immer gut aufwärmen, können Sie Muskelkrämpfen und Faserrissen gut vorbeugen.

 

Muskelfaserriss und Muskelriss

Die meisten Muskelverletzungen beruhen letztlich auf einer Überbelastung der Muskulatur. Auch der Muskelfaserriss ist oft eine Konsequenz, wenn Sie als Sportler noch nicht ausreichend trainiert sind, unter Stress trainieren und sich zu viel zumuten. Wird die Aufwärmphase nicht gründlich ausgenutzt, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Muskelfaserriss noch viel höher.

Muskelzerrung

Die intensive Beanspruchung Ihrer Muskulatur in Kombination mit einer unzureichenden Zufuhr von Flüssigkeiten, Sauerstoff und Elektrolyten bringt den Stoffwechsel Ihrer Muskulatur genauso aus der Balance wie die Kommunikation zwischen Nervenbahnen und der Muskulatur. Machen Sie dann eine ruckartige oder ungewohnte Bewegung, kann eine Muskelzerrung die Folge sein. Wer seine Muskeln unphysiologisch dehnt, kann sich leicht eine Muskelzerrung einhandeln. Hier liegt im Gegensatz zur gerissenen Muskelfaser noch kein Gewebeschaden vor. Vernachlässigen Sie die zum Teil krampfartigen Verspannungen in dem betroffenen Muskel, kann es zum Muskelfaserriss kommen.

 

Muskelfaserriss nach Zerrung

Ignorieren Sie das leichte Ziehen vor dem typischen krampfartigen Schmerz und belasten Sie den betroffenen Muskel weiter, können die Muskelfasern reißen und Sie verspüren einen stechenden Schmerz in den betroffenen Partien. Eine Muskelfaser bzw. ein Muskel kann wie ein überdehntes Seil zerreißen. Bei Sportarten, wo man schnell beschleunigen oder abrupt anhalten muss, geschieht das besonders häufig.

 

Diese Muskelverletzungen werden durch die Überschätzung des eigenen Leistungsvermögens, durch eine Vorschädigung in der Muskulatur oder durch Ermüdung begünstigt. Auch eine unzureichende Aufwärmphase kann diese Verletzungen verursachen.

 

Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen

Ist Ihr Mineralstoff-Haushalt aufgrund von z. B. Magnesium- oder Kalziummangel gestört, können symptomatische Begleiterscheinungen wie Muskelzucken oder Muskelkrämpfe auftreten. Diese Muskelzuckungen können nervlich bedingt sein und bei einer Unterkühlung des Körpers auftreten, weil der Körper durch diese Maßnahme Wärme erzeugen will. Während Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen auch harmlose Ursachen haben können, kann man nicht ausschließen, dass hinter diesen Symptomen auch ernsthafte Erkrankungen stecken, die vom Arzt behandelt werden müssen.

 

 

Typische Sportarten, die Muskelprobleme auslösen können

Zu diesen Sportarten zählen beispielsweise Handball, Fußball, Squash und Tennis. Muskelzerrung, Muskelriss und Muskelfaserriss beruhen auf demselben Mechanismus der Verletzung. Unterschiedlich ist lediglich das Ausmaß der Muskelschädigung. Oberschenkel- und Wadenmuskulatur sind bei diesen Verletzungen am meisten betroffen.

Muskelschmerzen

Die medizinische Bezeichnung für den Muskelschmerz ist Myalgie. Oft sind Muskelschmerzen schwer von Schäden an den Knochen oder Gelenkerkrankungen zu differenzieren. Lassen Sie deshalb Ihren Körper bei diesen Symptomen gründlich von Fachleuten untersuchen. Die mehr als 650 Muskeln beim Menschen haben unterschiedliche Funktionen, sind nicht gleichmäßig trainiert und differieren auch in ihrer Größe. Oft sticht, bohrt oder zieht es in diesen Kraftpaketen. Prinzipiell kann jeder dieser Muskelapparate einen Schmerz verursachen. Muskelkrämpfe, Muskelkater oder Krämpfe können die ersten Indizien für größere Folgeerscheinungen sein.

 

Bild 1: © Marc Gabriel Schmid at Wikipedia

 

Bild 2: Rainer Sturm  / pixelio.de

 

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